Abfischen für die Gartenschau
BAD URACH. Die Erms wird bei der Gartenschau eine zentrale Rolle spielen, dafür wird der Fluss teilweise komplett umgestaltet und renaturiert. Das bedeutet Stress für die Fische. Um ihn so gering wie möglich zu halten wurden die jeweils von den Bauarbeiten betroffenen Abschnitte der Erms bereits drei Mal elektrisch abgefischt.
Am Samstag waren 13 Helfer vom Fischereiverein Ermstal mit Sitz in Dettingen ein letztes Mal im Einsatz: Auf einer 240 Meter langen Strecke wurden 81 Forellen und 130 Mühlkoppen elektrisch abgefischt und etwa zwei Kilometer ermsabwärts wieder in den Fluss eingesetzt.
Vier Männer in Wathosen und mit knallroten Gummihandschuhen – dadurch sind sie vor Stromstößen geschützt – machten sich am Samstag auf den Weg vom Thermalbad die Erms hinauf. An der Spitze: Ulrich Junghans, ehrenamtlicher Fischereiaufseher des Regierungspräsidiums Tübingen. Der hat den verantwortungsvollsten Job in der Gruppe und fängt die Fische mit einem Elektrokescher. Das darf nicht jeder, dafür muss ein einwöchiger Lehrgang absolviert werden.
Ab in den 1.000-Liter-Bottich
Ihm folgen ein Helfer mit einem normalen Kescher und einer, der schwer zu tragen hat: Er transportiert das Stromaggregat auf dem Rücken. Das erzeugt einen schwachen Stromkreis, der die Fische gezielt zum Elektrokescher schwimmen lässt und für kurze Zeit benebelt, wie es Gewässerwart Simon Keinath beschreibt. Der Vierte im Bunde trägt einen Eimer, in dem die Fische gesammelt werden. Die Fische werden durch das elektrische Abfischen schonend aus dem Wasser genommen und in Eimern zu einem 1.000-Liter-Bottich getragen, der mit Sauerstoff belüftet ist.
Streng geschützte Fischart
Bevor sie in den Bottich geschüttet werden, notieren Helfer akribisch die Zahl der Fische und schätzen ihre Größe: Am Samstag war die größte Forelle um die 45 Zentimeter groß, die Mühlkoppe waren überwiegend zehn Zentimeter lang. Eine ragte mit 15 Zentimetern heraus, grundsätzlich erreichen sie eine Maximalgröße von 20 Zentimetern.
Bei der Mühlkoppe handelt es sich um eine streng geschützte Fischart, die auf der Roten Liste bedrohter Arten steht. »Sie sind ein Indikator für sauberes Wasser«, erklärt Markus Tippelt vom Fischereiverein. Der Forellenbestand ist sei sehr gut, erklärt Horst Eberwein: Der Fischereiverein, der die Erms vom Diegelewehr bis zur Einmündung in den Neckar bei Neckartenzlingen gepachtet hat, müsse keine Forellen einsetzen – sie würden sich selbst reproduzieren.
Für Forelle, Mühlkoppen und die vielen anderen Lebewesen im Fluss würde er sich mehr Ruhe wünschen, macht Fischereiaufseher Junghans deutlich. Die Arbeiten an und in der Erms würde natürlich für sie Stress bedeuten, aber: »Die Veränderungen am Fluss werden ihnen später auch zugutekommen.«
Mit dem Abfischen wolle man den Stress minimieren, aber alle Fische erwische man laut Junghans nicht: Maximal 80 Prozent könne man abfischen, wenn es sehr gut laufe. Gerade die Mühlkoppen würden sich gerne vergraben, die erwische man so nicht. Der am Samstag abgefischte Bereich liegt zwischen der sogenannten »Bademantelbrücke« am Thermalbad und der Brücke an der Bäderstraße, dort hatten bereits vor einigen Jahren Arbeiten stattgefunden.
Ehrenamtlicher Einsatz
Deshalb werden hier die Veränderungen laut Victoria Soos-Ibrahimaj vom Gartenschau-Team nicht so gravierend sein wie in anderen Bereichen, die Erms sei im Dem Bereich jedoch an einigen Stellen im Uferbereich sehr verbaut – die wolle man auflösen. Die an der Immanuel-Kant-Straße gelegene Uferseite gehöre nicht zum Gartenschaugelände und sei deshalb frei zugänglich.
Die Helfer des Fischereivereins sind ehrenamtlich im Einsatz, das sei laut Simon Keinath im Sinne des gelebten Tier- und Naturschutzes: »Wir Angler ziehen nicht nur Fische aus dem Fluss, sondern kümmern uns auch um die Gewässer.« So war’s am Samstag auch selbstverständlich, nebenbei Müll einzusammeln – davon gab’s genug.